Die Namen, Gebäude und Statuen des Freiheitsplatzes

Alte und neue Ansichten geben in Verbindung mit der Zeittafel Aufschluss zur Geschichte des Platzes.
Die Zeittafel ist im wesentlichen Richard Webers „Temeswarer Chronik“, mit Bezug auf den Freiheitsplatz, entnommen.

Piata Libertatii – der Freiheitsplatz hat im Laufe der Zeit mehrmals seinen Namen gewechselt:

1720 – Paradeplatz
1801 – Prinz Eugen Platz
1848 – Szabadsagter – Freiheitsplatz
1900 – Jenö Herczeg ter / Prinz Eugen Platz
1921 – Piata Libertatii – Freiheitsplatz

1720
13. August:
Die Patres der bosnischen Franziskaner errichten zu Ehren Johannes von Nepomuk, der als Heiliger verehrt wird, auf dem Platz vor ihrer Kirche, ein aus Sandstein verfertigtes Standbild. Die Statue befindet sich heute im Hof der Josephstädter Kirche.

1727
In diesem Jahr befinden sich am Paradeplatz, anstelle des späteren Commandantenhauses (Generalatshaus Divisionskommando),
noch die Ruinen des großen türkischen Basars.

1731
Feierliche Grundsteinlegung des deutschen Rathauses auf dem Paradeplatz, an der Stelle eines vormaligen türkischen Badehauses.

Auf dem Paradeplatz sind bereits aufgebaut:
– Commandantenhaus (Generalatshaus Divisionskommando)
– Gebäude der Hauptwache (später Italienische Bank)

1735
wird das Rathaus (Stadthaus) seiner Bestimmung übergeben. Heute ist es als altes Rathaus bekannt.

1736
21. April: Prinz Eugen von Savoyen stirbt in Wien

Bischof Falkenstein konsekriert die Kirche der bosnischen Franziskaner auf dem Paradeplatz. Unter der Kirche befindet sich eine Krypta.

1744
Baubeginn des aktuellen Militärkasinos auf den Grundmauern einer Moschee. Fertigstellung erst 1773.

1756
29. Mai: Einsegnung der Mariensäule (Marien-Nepomuk-Denkmal, auch Pestsäule genannt) am Paradeplatz. (Brandeisz: Marienstatue)

Die im Barockstil in Sandstein gehauene Mariensäule ist eines der künstlerisch wertvollsten Baudenkmäler Temeswars.
Sie wurde von der „nepomucenischen Brüderschaft, zum unendlichen Dank vor die Befreyung der Pestillenzischen Seuche …“, im Jahre 1750 von den Wiener Meistern Wasserburger und Blim um den Preis von 1189 Gulden bestellt und in den Jahren 1753-1756 auf dem Platz vor dem alten Deutschen Rathaus, an der Stelle, wo die alte Nepomukstatue seit 1721 stand, aufgestellt.
Es wird angenommen, dass dieses kunstvolle Werk aus der Werkstatt des großen Wiener Bildhauers Raphael Donner stammt.

1788
Die Kirche der bosnischen Franziskaner wird zur Piaristenkirche

1839
13. April: Hält sich erstmals ein Daguerreotypist (Fotograf) namens Philipp Dombeck in Temeswar – Paradeplatz auf.

1848
18. März: Umbenennungen von Gassen und Plätzen, die historisch-ungarische Namen erhalten. Der Paradeplatz (Prinz-Eugen-Platz) wird in Freiheitsplatz (Szabadsagter) umbenannt.

19. März: Auf dem Parade-Platz findet eine große Volksversammlung statt, die von Bürgermeister Johann Nepomuk Preyer präsidiert wird. Man beschließt
die Errichtung einer Nationalgarde. Deutsche Bürgersöhne treten in die Nationalgarde ein, das Tragen von Kokarden wird gang und gäbe.

1852
15. Juni: Kaiser Franz Joseph I. legt den Grundstein zu dem von ihm angeregten Denkmal „zur Erinnerung an die heldenmüthige Vertheidigung der Festung
während der Belagerung im Jahre 1849“ auf dem Paradeplatz. Vom Kaiser wird, folgende Denkschrift in den Grundstein niedergelegt:
„Um meiner Armee einen neuen Beweis dankbarer Anerkennung ihrer ruhmvollen Thaten zu geben, habe ich zur dauernden Erinnerung an die hundertsiebentägige heldenmüthige Vertheidigung der Festung Temesvar und deren durch die denkwürdige Schlacht am 9. August 1849 bewirkten Entsatz, die Errichtung eines bleibenden Denkmals in dieser Stadt angeordnet. Meine Anwesenheit bietet Mir die sehr erfreuliche Gelegenheit, den Grundstein zu diesem Monument eben heute legen zu lassen. Der Vollzug in meiner Gegenwart wird hiemit bestätigt.“

1853
17. Januar: Feierliche Enthüllung des „Denkmals zur Erinnerung an die heldenmütige Verteidigung der Festung während der Belagerung im Jahre 1849
(Denkmal der Treue / Kriegerdenkmal)“ am Paradeplatz.

Das Denkmal ist nach dem Entwurf des Wiener Architekten und Steinmetz Joseph Andreas Kranner (* 13.06.1801 Prag + 20.10.1871 Wien) und von ihm selbst,
in neugotischen Stil ausgeführt. Es hat eine Höhe von 20 Meter. Aus einem, als Festung angeordneten Unterbau, an dessen Fuß sich phantastische Ungetüme
winden, zur Versinnbildlichung der Laster, welche bei der Besatzung keinen Eingang fanden, erhebt sich ein zweiter mit vier vorspringenden Ecktürmen als
Basis für die allegorischen Figuren, der Ehre, des Gehorsams, der Wachsamkeit und der Aufopferung, von der Meisterhand des Wiener Bildhauers Joseph Max.
Aus diesem Bau steigt ein Baldachin, von vier schlanken Pfeilern getragen empor, inmitten die Statue der Treue, eine junge Frauengestalt, in der Hand die treu bewachten Schlüssel der Festung. über der Decke des Baldachins erhebt sich dessen hochstrebende Bedachung, die reich geziert, in einer Doppelblume endet. Die Vorderseite trägt noch über dem Baldachin das kaiserliche Wappen. Unter der Statue ist die Widmung angebracht:
„Franz Joseph I. den heldenmüthigen Vertheidigern der Festung Temesvar im Jahre 1849“.

20. Februar: Da der Standort für das „Denkmal der Treue“ in der Mitte des Paradeplatzes bestimmt war, muss die Marien-Nepomuk-Säule, auch noch Pestsäule genannt, an einen anderen Platz versetzt werden.

1903
wird beschlossen, dass in Zukunft auch der Geflügel- und Naschmarkt auf den Lossonczy (Dom)-Platz verlegt werden soll. Bis dahin wurde er auf dem Paradeplatz (Prinz-Eugen-Platz) abgehalten.

1906
Der Palais der Agrarbank, geplant von Martin Gemeinhardt, wird auf der Ostseite fertiggestellt

1911
Wegen Baufälligkeit wird die alte Piaristenkirche abgetragen

1912
Der Palast der Kreditbank wird auf dem Platz der Piaristenkirche nach Plänen von Lazlo Szekely fertiggestellt

1918
Der Kopf und eine Hand des Frauenstandbild des „Denkmals der Treue“ werden von Demnstranten abgeschlagen

1921
Am 20. Februar erscheint Otto Alschers Feuilleton „Nächtliches Gespräch“ in der „Schwäbischen Volkspresse“.
Darin dreht es sich um die Kopflosigkeit der Statue, des „Denkmals der Treue“ als reale sowie surreale Gegenwart. Etwa Zwanzig Jahre nach dem Wiener „Weihefrühling“ könnte sie an einem „Aschermittwoch“ das Zeichen für einen rauschhaften Kunstfrühling setzen, worüber er in einer „nass-kalten Aschermittwoch“- Nacht mit dem kk Torso verhandelt:
„Da ist ein Platz … warum ist dieser Platz? Warum wachsen die Bäume mitten in der Stadt, gerade zwischen den Häusern und nicht irgendwo draußen, wo sie mehr Platz haben?

Alscher schwankt auf dem Grat zwischen Treue und Freiheit: „Doch da muss ich stehen bleiben – mitten in meinem Weg baut sich etwas Dunkles, Ragendes auf,
eine Statue, oder so etwas, das unter einer Art spitzem Dach steht. Warum steht diese Statue hier? Ich werde plötzlich wütend – was willst Du hier, brülle ich.
Ich schaue mich um, um der Gestalt mit irgendetwas einen Stoß zu geben, versuche einen Baum auszureißen, um die Figur zu einer Antwort zu bringen, aber der Baum sträubt sich. Nun ging ich um die Statue herum. Ja, es ist eine art Frauengestalt auf einem Piedestal unter einem spitzen Dachüberbau.
Und der Platz ist der Piata Libertatie (sic), mitten in Timisoara. Aha, eine Art Freiheitsstatue, oder so was!, denke ich mir.
Doch da – redet die Statue nicht?
Eine Art Raunen, eine vertrocknete Stimme, die förmlich nach Moder riecht, die knarrt und krächzt, aus Jahrhunderten kommend.
‚Was Freiheitsstatue!‘, belfert die Gestalt. Ich bin viel mehr! Erst war ich das Wahrzeichen einer fremden Militär- und Bürokratendiktatur, man nannte mich die Austria oder auch die Schandstatue. Einmal da fiel man über mich her, es war so ein Freiheitsjahr, vor 73 Jahren, da wollte man mich herabstürzen, aber ich stemmte mich, und blieb stehen. Man hat mich wohl ein wenig verstümmelt, aber nur noch besser passte ich zum Wahrzeichen einer Beamtenhierarchie.
‚Viel Ehre‘ sagte ich, ‚sehr viel Ehre!‘
Dann wankte ich weiter. Und suchte das Rätsel zu lösen, wie man sprechen kann, wie man denken und aufrecht stehen kann, wenn man keinen Kopf hat.“

1932
Die verstümmelte Statue wird in das Banater Museum geschafft

1935
Der neugotische Baldachin des „Denkmals der Treue“ wird auf den Heldenfriedhof verlegt

1974
Die Marien-Nepomuk-Säule wandert zurück auf ihren ursprünglichen Platz, auf den Freiheitsplatz.

2016
Neugestaltung des Freiheitsplatzes.

Quellen:

Eichler, Martin; Ciobotaru, Dan Leopold; Rill, Martin (Hrsg.): Temeswar /   Timisoara – Eine Perle des Banats, München:Wort+Welt+Bild, 2010
Korodi, Helga: Alschers Aufenthalt in Temeswar
Opris, Mihai; Botescu Mihai: Architectura istorica din Timisoara, Timisoara:Tempus, 2014
Weber, Richard: Temeswarer Chronik, Karlruhe 2009. Manuskript, Veröffentlichung geplant durch seine Tocher Dr. Isolde Weber

Alte Ansichtskarten: aus den Sammlungen von Richard Weber und
Dr. Walter Stahli
Aktuelle Photos: Erhard A. Berwanger

 

Ankündigung – Instiintare

Hier entsteht ein Blog zum Temeswarer Leben im Laufe der Zeit.
Es soll über je ein Thema referiert werden unter Verwendung der noch  unveröffentlichten „Temeswarer Chronik“ von Richard Weber.
Isolde Weber, seine Tochter, hat sie zur Verfügung gestellt sowie seine Sammlung alter Postkarten. Dazu kommen Beiträge von Helga Korodi und Fotos von Erhard Berwanger. Der Blog soll zweisprachig, deutsch und rumänisch, erscheinen, für die  rumänische Ausgabe ist Angelika Berwanger verantwortlich.
Das erste Thema wird der Freiheitsplatz sein.

Aici va apare un blog despre viata din Timisoara in decursul timpului.
Blog-ul va contine referate pe diferite teme, care sunt inspirate din lucrarea inca nepublicata „Cronica Timisoarei“ de Richard Weber. Lucrarea, precum si bogata colectie de cärti postale ilustrate ale acestuia, au fost puse la dipozitie de fiica sa Isolde Weber.
La acestea se adauga si articole scrise de Helga Korodi si imagini foto apartinand lui Erhard Berwanger.
Blogul este conceput bilingv, in limba romana si germana. Editia in limba romana va fi ingrijta de Angelika Berwanger.
Primul subiect se va referi la Piata Libertății.